Schwangerschaft und Stillen sind zwei der prägendsten Phasen im Leben einer Familie. Während die ersten Monate nach der Geburt oft mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden sind, gibt es einige wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die Mütter und Väter bei der Entscheidung für Stillen unterstützen können. Die Schweizer Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin betont, dass Stillen nicht nur die gesundheitlichen Vorteile für das Kind bietet, sondern auch langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung des Immunsystems und die Verhütung von Übergewicht hat. Gleichzeitig spielen auch die körperlichen und emotionalen Aspekte eine zentrale Rolle – besonders für die Mutter, die durch die Bindung zum Kind nicht nur ihre eigene Gesundheit stärkt, sondern auch die Entwicklung des Neugeborenen fördert.
Laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (SGO) wird in der Schweiz etwa 70 % der Neugeborenen noch in den ersten sechs Lebensmonaten gestillt. Doch die Realität zeigt: Viele Mütter scheitern an den ersten Hürden – sei es durch Schmerzen, Zeitmangel oder das Gefühl, nicht genug zu geben. Hier kommt der Schlüssel: Eine gute Vorbereitung und Unterstützung durch die Familie, die Hebamme oder das Kinderarzt-Team sind entscheidend. Studien zeigen, dass Frauen, die von Beginn an professionelle Begleitung erhalten, deutlich häufiger längerfristig stillen. In der Schweiz gibt es beispielsweise das Programm „Stillen in allen Lebenslagen“, das gezielt Mütter in schwierigen Situationen unterstützt – etwa bei Mehrlingsgeburten oder bei Müttern mit Vorerkrankungen.
Die Vorteile von Stillen: Mehr als nur Milch
Die Vorteile des Stillens sind wissenschaftlich gut belegt und betreffen sowohl das Kind als auch die Mutter. Für Babys ist die Muttermilch optimal an die Bedürfnisse des Neugeborenen angepasst: Sie enthält alle Nährstoffe, die das Kind in den ersten Monaten benötigt, und schützt vor Infektionen wie Magen-Darm-Erkrankungen oder Atemwegsinfekten. Laut der WHO wird Stillen sogar mit einem geringeren Risiko für allergische Erkrankungen und Asthma in Verbindung gebracht. Besonders wertvoll ist die Immunfunktion der Muttermilch, die durch spezielle Antikörper und Enzyme das Kind vor Krankheiten schützt – ein Effekt, der auch bei gestillten Kindern mit Vorerkrankungen der Mutter weiterwirkt.
Für die Mutter selbst bringt Stillen langfristige Vorteile: Es fördert die Wundheilung der Brust nach der Geburt, reduziert das Risiko für Brustkrebs und Eierstockkrebs und unterstützt die Rückkehr des Körpers in den präkonzeptionellen Zustand. Zudem bindet die stillende Mutter durch die Hormonausschüttung stärker an das Kind – ein Effekt, der auch die psychische Gesundheit stärkt. Besonders in der Schweiz wird diese Verbindung zunehmend in der Präventionsarbeit thematisiert, etwa durch die Kampagne „Stillen stärkt die Bindung“, die auf die emotionale Komponente hinweist.
- Laut SGO werden in der Schweiz etwa 70 % der Kinder in den ersten sechs Monaten gestillt, wobei nur rund 30 % länger als ein Jahr stillen.
- Stillen reduziert das Risiko für Übergewicht bei Kindern um bis zu 25 %. (Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin)
- Muttermilch enthält bis zu 1000 verschiedene Immunproteine, die das Kind vor Infektionen schützen.
- Mütter, die gestillt haben, haben ein geringeres Risiko für Brustkrebs um etwa 45 %. (Studien der Universität Zürich)
- In der Schweiz gibt es über 100 Stillberatungsstellen, die kostenlose Unterstützung für Mütter anbieten.
Herausforderungen und wie man sie meistert
Trotz aller Vorteile gibt es häufige Hindernisse beim Stillen – besonders in den ersten Wochen. Schmerzen bei der Stillposition, unzureichende Milchbildung oder das Gefühl, nicht genug zu geben, können Mütter frustrieren. Doch eine gute Stillberatung durch Hebammen oder Stillgruppen kann viele dieser Probleme lösen. In der Schweiz ist die Hebammenversicherung Pflicht und bietet kostenlose Beratung an. Besonders hilfreich sind auch Stillkurse vor der Geburt, in denen Mütter verschiedene Stilltechniken kennenlernen und sich auf die ersten Wochen vorbereiten können.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Unterstützung durch die Familie. Studien zeigen, dass Mütter, die von ihrem Partner oder den Eltern aktiv unterstützt werden, deutlich häufiger längerfristig stillen. In der Schweiz gibt es zudem das Konzept des „Stillfreundlichen Krankenhauses“, bei dem die medizinische Versorgung noch stärker auf Stillen ausgerichtet ist – etwa durch die Bereitstellung von Stillhilfsmitteln oder die Anregung von Stillgruppen direkt nach der Geburt.
Die Rolle der Ernährung und des Lebensstils
Während die Muttermilch sich selbst anpasst, spielen auch die Ernährung und der Lebensstil der stillenden Mutter eine wichtige Rolle. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die Milchproduktion und liefert der Mutter Energie für die Stillzeit. Besonders wichtig sind auch ausreichend Flüssigkeit und hochwertige Proteine, etwa durch Fisch, Hülsenfrüchte oder mageres Fleisch. Auch die Vermeidung von Alkohol und Rauchen ist essenziell – sowohl für die Milchqualität als auch für die Entwicklung des Kindes.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bewegung. Schon leichte Bewegung wie Spaziergänge oder Yoga kann helfen, den Kreislauf anzuregen und die Milchproduktion zu fördern. Gleichzeitig sollte die Mutter auf ihren Körper hören: Stress oder Überlastung können die Milchbildung beeinträchtigen, während Entspannung und ausreichend Schlaf die Stillzeit erleichtern. In der Schweiz gibt es spezielle Stillberatungen für Mütter mit Vorerkrankungen oder bei Mehrlingsgeburten, die individuelle Lösungen entwickeln.